Geschichten  Huftiere

2 Dromedarkinder auf dem Weg ins Glück

Der Esel

Unsere Esel

Wir haben endlich einen lokalen Hufschmied!

Auch die Esel spürten die Revolution

Lucca der Geschlagene

Endlich von der qualvollen Arbeit befreit

Das Eselbaby und sein Kumpel

2 Dromedarkinder auf dem Weg ins Glück, eine Story mit 

Happy End

Im Oktober 2006 wurde ich von meinen Ärzten nach Ägypten in die Wärme geschickt. Ein Leben mit Pferden hatte mich geprägt – nur auf einem Kamel sass ich noch nie. In unserem Hotel lagen 6-8 Stück am Strand, also los! Ich hatte einen 2-stündigen Ausritt in die Wüste gebucht, mein Dromedar hiess Sarah und ich freute mich darauf.
Alleine das Losreiten gestaltete sich schwierig, Sarah stand nicht auf wie ein normales Dromedar, sie sprang in die Höhe und ich hatte Mühe oben zu bleiben. Auch der Ritt selbst war eher ungewöhnlich, irgendwie war das Tier nicht ganz ok. Viel zu mager, schnappend und beissend, humpelnd nach einiger Zeit – eigentlich war ich froh, heil zurück zu sein. Nachdem mir aber fast 4 Wochen Sonne zuteil wurden, hatte ich genügend Zeit, die Tierchen jeden Tag am Strand zu sehen.

Nach 2 Tagen hörte ich sie schreien, ihr Zustand wurde immer schlimmer, sie fassten ihr in die Nase und rissen daran und traten sie mit Füssen, schlugen mit Rohrstöcken damit sie nicht schnell aufsprang und die zahlenden Touristen abwarf. Das Tierchen hatte eindeutig Schmerzen in den Gelenken. Ich tingelte los und gab mein ganzes Taschengeld für Äpfel und Bananen aus, liess mich 2x von ihr zwicken, dann waren wir Freunde.
Als ich die letzten Tage ihren Namen rief, stand sie auf und kam. Ich hatte eine grosse Liebe gefunden. Es erfolgte ein Anruf zuhause, „ich brauche einen Platz für ein Dromedar“. Hier schüttelt über meine Tierschutzaktionen niemand mehr den Kopf, vielmehr wurde die Suche gestartet. Als ich nach Hause fuhr versprach ich dem Kameltreiber, dass ich zurückkomme und Sarah freikaufe.
Zurück in Deutschland musste ich nach wochenlanger Telefoniererei, E-Mails, Briefverkehr und persönlicher Vorsprache resignieren und feststellen, dass ich nie eine Einreisegenehmigung bekommen würde.
Nach langen Nächten im Internet fand ich über die Suzy Utzinger-Stiftung das Blue Moon Animal-Center in Hurghada und der Schriftverkehr begann. Sarah zu kaufen und einem anderen Ägypter zu geben hätte keinen Sinn gehabt, es wäre ihr sicherlich nicht besser ergangen. Monique versprach mit ihrem Mann Salah zu helfen, sie warteten zu dieser Zeit aber immer noch auf ihr Land um ein Tierheim zu bauen.
Also im März eine Freundin einpacken und wieder zu Sarah Samtnase fliegen – ganz klar. Das Böse daran war, meine Freundin verlor ihr Herz an den jungen, verletzten Casanova, der neben Sarah am Strand lag – jetzt ging es um 2 Dromedare. Der erste persönliche Kontakt zu Moni und all den Tieren, denen sie hilft war ein Schock für mich. Sind unsere Hunde doch wohlbehütet und bei jedem falschen Blick laufen wir zum Tierarzt – und dann der Tiermoloch Hurghada! Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der mit soviel Einsatz gegen Windmühlen der verschiedensten Art kämpft und nicht aufgibt! Hut ab Monika, Salah, Beke und Annemarie!

Wir mussten zurück, eine Lösung für den Transport suchen, wissend, dass die Tierchen vorübergehend zu Moni und Salah können. Der Besitzer der Tiere jammerte, dass ihm die Zeit wegläuft, er verliere den Liegeplatz am Strand und müsste die Tiere dann töten lassen! Supi! Für Casanova fehlte das Geld! Biggi studiert und Sarah trieb mich schon fast in den Ruin. Frührente ist nicht lustig! Heim und ab nach Gut Aiderbichl – ein Gespräch mit Michael Aufhauser musste her. Er erklärte sich auch sofort bereit, das sensible Kerlchen zu retten und bei der Einreise behilflich zu sein. Es vergingen viele Wochen ohne eine Nachricht bis ich einen Telefonanruf von Sarahs Herrn bekam, 2 Wochen Zeit um zu kommen und zu zahlen, sonst sind beide weg! Moni anrufen, Flug buchen, Geld organisieren und total überstürzt ab nach Ägypten und auch noch ganz alleine………………

 Monikas Tierheim war in der kurzen Zeit schon recht weit gebaut, so hatten Sarah und Casanova dort bereits eine grosse Koppel mit Schattenplatz, Trinkwasser- und Futterstelle, die auf sie warteten.

 

Monika & Salah stellten ihren Anwalt zur Verfügung, wir machten einen Termin zur Überschreibung der Tiere – es dauerte Stunden bei fast unerträglicher Hitze, bis die beiden Tierchen endlich in meinem Besitz waren. Danke liebe Moni, dass Du die ganze Zeit bei mir warst und mich nicht in einem fremden Land mit fremder Sprache, den ganzen Anwälten und kopfschüttelnden Beamten alleine gelassen hast!!!!!!
Man könnte denken, juchu gerettet – nö nö! Die grösste Strapaze lag noch vor uns. Am Spätnachmittag kam das Team vom Blue Moon Animal-Center mit dem LKW um die beiden Tiere zu verladen. Wie schön und einfach wäre es gewesen wenn………………. Sie liessen sich nicht um alles in der Welt auf den LKW bringen. Nach über 1 Std. mussten wir aufgeben.
 Nun blieb nichts anderes, als per pedes mit den Samtnäschens über 60km von Makadi bis zu Monikas Land zu laufen. Sarahs Besitzer gab 1 Boy mit, von Monikas Stuff ging ebenfalls jemand mit. Wir tranken noch den obligatorischen „good buisiness tee“ .
Monis Gefühle waren nicht so gut, darum fuhren wir hinterher um zu schauen, wie es der kleinen Karawane ging. Schlaue Moni – Gott sei Dank! Wir hatten sie gerade gefunden, da standen auf einer Anhöhe schon eine Gruppe Leute mit Rohrstöcken und Seilen sowie ein LKW, sie wollten die 2 Tierchen mit Gewalt darauf prügelen (ist ja grad keiner da, der es sieht)! Nach einer kurzen Richtigstellung mussten die Männer abziehen, von diesem Augenblick an blieben wir jeden Meter dabei! Es hatte nur 40C, die Nächte brachten keine Abkühlung und die Angst um die angeschlagenen Tierchen wurde auch immer grösser.
   
Irgendwann mitten in der Nacht bei einer Pause zwischen 2 Schnellstrassen in  Hurghada flitzte Monika los um etwas zu Essen für die Jungs sowie Wasser und Futter für die Tiere zu bringen. Nach dieser Stärkung mussten wir noch über 1 Std bis zu Monis Haus humpeln.
Dort hatten ihre Leute bereits Sand und Stroh auf den Parkplatz geschaufelt um ein Nachtlager für die beiden zu schaffen. Als wir ankamen stand dort Futter, Wasser und Heu – Sarahkind machte sich gleich über Monikas & Salahs Zitronenbäumchen her (der Garten hat schon etwas gelitten unter den beiden L) Einige Stunden Ruhe taten allen gut, die Jungs verbrachten den Rest der Nacht auf einem LKW neben den Tieren damit ja nichts passiert. Monika ist ein Organisationstalent und das in diesem schwierigen Land!
 Am nächsten Tag kam der Schock, Sarahs Sprunggelenk am linken Hinterfuss war so dick wie ein Babykopf! Die Folge von kaputten Gelenken der schweren Arbeit und den andauernden Schlägen – der Weg war so weit ……. 

Trotzdem mussten wir noch 3 Std durch die Wüste bis ans Ziel. Tapfer machten beide Samtnasen mit.

Als sie endlich auf dem Land ankamen rannen die Tränen ganz dick über mein Gesicht – mein grösster Wunsch ging dank Monika, Salah und ihrem Team in Erfüllung. Sarah und Casanova waren gerettet!!!!!

Als die beiden am grossen Futtertrog standen und das viele Futter genossen hing ich nur noch an ihrem Hals und wollte mein Mädchen gar nicht mehr loslassen. All die Angst, der Stress und die Strapazen fielen in diesem Moment ab und machten ganz viel Glück platz. Ich habe eine eigene gemauerte Couch unter dem Dach der Koppel, mein Lieblingsplatz um den Tierchen bei einem glücklichen Leben zuzusehen bis die Sonne hinter den Bergen verschwindet!
Dieses Glück teilen mit unseren Süssen mittlerweile nicht nur Hunde und Katzen sondern auch 4 Esel sowie Ziegen und Schafe. Nette Nachbarn – glückliche Vierbeiner!
Unseren allerherzlichsten Dank an Monika, Salah, Dr. Beke und dem Blue Moon Animal-Center-Team – ohne Euch und Eure aufopfernde Mithilfe wäre all das nie möglich gewesen!!!! Ihr seid toll und Eure Arbeit ist unnachahmlich! Hört bitte nicht damit auf – die Kraft dafür möge Euch noch lange gegeben werden.
Eure Birgitta mit Biggi, Samtnase Sarah & Dromedarbub Casanova

Der Esel
Eines Tages bekam ich den Anruf, dass ein herrenloser Esel gefunden wurde, sofort machte ich mich auf den Weg zu dem armen Tier.
Mein Hausmeister, der meine Aufregung mitbekommen hatte, bot sich an mich zu begleiten, also fuhren wir zusammen zu dem angegebenen Ort.
Als wir den halb verhungert und verdursteten Esel sahen, war mein Hausmeister sehr geistesgegenwärtig und rief:,, Das ist ja mein Esel !,, das war ein Trick, damit niemand nderes den Esel als sein Eigen nennen konnte. 3 Tage irrte das arme Tier herum, bis sich der Mann , der mich anrief, seiner annahm ihn festband und ihn notdürftig versorgte.
Also nahmen wir den Esel mit, natürlich durfte er sich bei uns erst mal so richtig voll fressen und sich von seinen Strapazen erholen.
Nun stellte sich die Frage, wohin nur mit dem Grauen ? Er sollte ja in gute Hände kommen!
Da hatte ich eine Idee ! 
Die Beduinenfrauen in der Wüste müssen jeden Tag 3 km zu ihrer Wasserstelle gehen um dann mühsam das Wasser auf ihren Köpfen zurück zum Lager zu tragen. Welch eine Erleichterung wäre es doch für die Frauen ein Lastentier zu haben.
So verfrachteten wir den Esel auf einen Pickup und fuhren ihn in die Wüste, welch eine Freude! Die Beduinenfrauen wahren wirklich sehr glücklich über das vierbeinige Geschenk, dass ihnen ihre Arbeit um einiges erleichtern würde. Und, dass sie so einen wertvollen Gehilfen auch gut ernähren und freundlich behandeln werden steht wohl ausser Frage.

 

 

So hat alles mit den Eseln angefangen

Nachdem sich Touristen und Anwohner vermehrt über die Esel in der Stadt beschwerten, hat die Regierung angefangen, Eselbesitzer zu verwarnen, sollten sie sich mit ihren Tieren in Gegenden befinden, wo sie unerwünscht sind und Eselmist liegen lassen. Nach einmaliger Verwarnung, konfisziert die Regierung dann die Esel.

Als wir eines schönen Tages in der Regierungsgärtnerei Bäume kauften, sah ich dort einen Esel stehen.  Kurzerhand kauften wir ihn da raus und brachten ihn mitsamt den gekauften Pflanzen auf unserem Lastwagen ins Bluemoon.

Er half uns bei leichten Arbeiten, was ihm sichtlich Spaß machte.

Eines Tages büchste er aus seinem Gehege aus. Wir suchten ihn überall. Ich fuhr mit meinem roten Käfer die umliegende Wüste ab - aber weit und breit keine Spur von Bernini! Dann klingelte das Telefon, er wäre wieder da! Eine Dame, die Bernini immer Gurken brachte, kam zu Besuch aufs Land und rief nach ihm; diese Stimme hieß für Bernini: Gurken im Anmarsch! So sahen sie ihn seelenruhig aus dem Kornlager herausspazieren, wo er sich genüsslich am Mais bedient hatte.

Nun, wenn wir Bernini suchen mussten, wussten wir auch immer gleich, wo wir ihn finden konnten, nämlich in der Kornkammer!

Die Regierungsleute  kamen irgendwann auf die Idee, die konfiszierten Esel einfach bei uns im Bluemoon abzugeben. Die Besitzer können dann gegen ein Bußgeld, das sie - wohlverstanden! - der Regierung bezahlen, ihre Esel wieder bei uns abholen.

In der Zwischenzeit hegen und pflegen wir die Tiere. Oft bleiben die Esel bei uns, weil den Leuten das Geld fehlt, um ihre Esel auszulösen. Wenn die Esel jedoch abgeholt werden, dann haben sie in der Zwischenzeit einen Mikrochip bekommen, sind entwurmt und tragen ein Halfter ohne Eisenketten und spitzen Kanten. Wenn ich einen Grosstierarzt vor Ort habe, werden sie sogar noch kastriert.

Manche Esel kommen in einem desolaten Zustand zu uns und insgeheim erhoffe ich mir dann, dass das Tier bei uns bleiben kann. Die meisten tun das dann auch.

Ab und zu kommen ein paar Volontäre im Tierheim aushelfen. Sie sind jedes Mal erschüttert, wenn so ein geschundenes Tier zu uns kommt. Aber nun da es hier ist, soll es nie mehr leiden.

Seit ich weiß, dass ein Esel nur ein Sechstel seines Gewichts auf dem Rücken tragen sollte, dürfen meine Angestellten die Esel nicht mehr reiten. Ein Esel hier in Ägypten hat ein maximales Gewicht von 100 – 150 kg.

DAS HEISST, DASS JEDER ERWACHSENE ZU SCHWER FÜR SO EINEN ESEL IST!!!!!

Wenn Ihnen nun das nächste Mal ein Ausritt auf einem Esel geboten wird, kann der Esel gerne Ihren Rucksack tragen, Sie aber sollten zu Fuß gehen und sich selber tragen. Auch wenn das hier oft nicht verstanden wird.

Wunden sind oft unter dem Sattel versteckt:

 

Fliegen legen Eier in die Augenkanäle, die sich dann entzünden:
Meist passen ihnen Sattel, Halfter und Zuggeschirr nicht und erzeugen tiefe Wunden:

Wir versuchen unser Bestes um die Tiere wieder gesund zu pflegen. Wir, das bin ich, Moni, mein Mann Salah und eine handvoll Angestellte. Und ab und zu ein paar Volontäre, die Hand anlegen. Ich bin um jede helfende Hand dankbar!

Wir möchten Ihnen hier kein Eldorado von schrecklichen Bildern zeigen, davon hat die Welt wahrlich schon genug, sondern die positiven Bilder und Impressionen von unseren glücklichen Eseln im Bluemoon

Je nach finanziellen Mitteln versuchen wir die Gehege nach und nach so zu gestalten, dass sich die Tiere wohl fühlen.
Was erzählt ihm Salah da wohl? Es muss ja sichtlich spannend sein. Bestimmt, dass er nun nicht mehr geschlagen wird!

Nichts da, hier wird nicht gelacht! Ich muss das tragen wegen der Fliegen. Eine Spende aus Deutschland - ein wenig zu groß geraten, erfüllt aber seinen Zweck, danke!

Meine Welt ist nun blau wie das Bluemoon.

Trotz harter Momente, Rückschlägen und wenig freier Zeit wird geschmust!
Und trotz der ganzen Miseren, verlieren wir – Tier wie Mensch - das Lachen nicht!

Wir sagen artig DANKE und hoffen auch weiterhin auf Ihre Hilfe!

Ihr Dienstältester, Bernini

 

 

Unsere Esel

 

Diese Esel haben bei uns ihre Ruhe gefunden 

Viele der Tiere kommen in einem relativ schlechten körperlichen Zustand bei uns an. In Zusammenarbeit mit Tierärzten versuchen wir, die bestmögliche Pflege und Versorgung zu realisieren. Natürlich ist nicht immer alles perfekt, aber wir arbeiten kontinuierlich an der Optimierung unserer Pflegeeinrichtungen. Wir laden jeden herzlich ein, sich persönlich vor Ort ein Bild unserer Arbeit zu machen.

****************************

Die Bilder links zeigen die Tiere als sie zu uns kamen; rechts sind aktuelle Fotos vom 6.10.10

 

Bernini ,  männlich, geb, ca. 1998,   Eingang 8.5.07   

Er wurde von der Regierung konfisziert und stand in der Regierungsgärtnerei als wir Bäume für unser Land kauften. Bluemoon hat ihn da rausgekauft. Er ist ein liebenswerter Esel, der nun nie mehr knechten muss. Bernini war unser erster Esel.

Piccasso,  männlich, Eingang  8.5. 09

Er kam von einem Reitstall für Touristen. Er wurde abgegeben, weil er von einem jüngeren Esel abgelöst wurde. Anfangs, wenn wir ihn herumführen wollten, ging er nur rückwärts. Dies ließ darauf schließen, dass er wohl nicht all zu gut behandelt wurde. Inzwischen hat er aber wieder etwas Vertrauen in die Menschen gewonnen und läuft wieder vorwärts. Nun bleibt er bei uns, wo er auch nie mehr geschlagen oder drangsaliert wird.

Cosimo kam am 27.12.09 zu uns

Cosimo wurde uns von der Regierung gebracht. Er war in einem ganz ordentlichen Zustand, außer dass man ihn nicht zwischen den Ohren streicheln konnte; ein Zeichen, dass er geschlagen wurde. Und er hat einen Klumpfuss. Cosimo ist nun ganz zutraulich, seinen Schlafzimmerblick hat er immer noch.

Michelangelo,   Eingang 27.9.09

Michelangelo wurde dem Besitzer auf der Strasse weggenommen. Auch er hatte diverse Wunden, die gepflegt werden mussten. Das allererste, was er benötigte, war ein großer Eimer Wasser, den er unverzüglich leer trank.

Michelangelo wie er zu uns                           

und am 6.10.10

 

Leider hat er sich in der Nacht vom 6./7. Oktober 2010 mit einem Kumpel angelegt. Am Morgen fanden wir ihn mit einem verletzten Ohr. Es ist als ob er wüsste, dass wir ihm helfen wollen, beim Säubern der Wunde macht er keinen Mucks; ein Mensch wäre wohl schon längst davon gelaufen.

 

Pozzo,  männlich, Eingang 20.10.09

Pozzo kam mit 2 anderen Eseln von der Regierung zu uns. Erstaunlicherweise hatte er keine großen Wunden. Auch Hunger und Durst hielten sich in Grenzen. So musste er nur noch kastriert werden. Er teilt sein Gehege mit 2 Kamelen und 3 Eseln. Er ist sehr verschmust und verfressen.

 

Macke kam zu uns am 2.1.10

Auch er wurde uns von der Regierung und ohne große Verletzungen gebracht, denn nicht alle Eselbesitzer behandeln ihre Tiere schlecht. Nur die Hufe sahen beim ihm schlimm aus.

 

Masaccio kam Ende 2009 zu uns

Er wurde uns eines Abends spät in relativ gutem Zustand gebracht. Nun ist er die große Liebe von unserem Ziegenbock Sambo, sie sind ein Herz und eine Seele. Die beiden teilen sich das Gehege mit Morbelli.

 

Morbelli kam Ende 2009 zu uns

Auch er wurde uns von der Regierung gebracht. Er war voller alter Wunden, die inzwischen bestens ausgeheilt sind, das Trio fühlt sich sichtlich wohl miteinander.

 

 

Piombo kam am 25.11.09 zu uns

Ein zarter kleiner Esel, der seinem Besitzer weggenommen wurde, er musste einen großen Karren ziehen. Erstaunlich, was diese Geschöpfe alles ertragen müssen! Nun ist er im Ruhestand und genießt sein Leben mit den anderen 3 Eseln und 2 Kamelen im Gehege.

 

Raffaelo kam am 12.1.10 zu uns

Er wurde seinem Besitzer in Sakkala weggenommen. Er kam schon damals als dünner Kerl zu uns und hat nie richtig zugenommen. Trotz entwurmen und genügend Futterstellen bekommt er kein Fett auf die Rippen. Aber wir geben nicht auf und versuchen es weiter.

 

Cezanne kam am 13.2.10 zu uns

Auch er kam von der Regierung. Er ist unser Rambo, denn er hat einen unserer Mitarbeiter an die Wand gedrückt und in den Arm gebissen; am nächsten Tag hat er dann noch ein Schaf gerissen. Daraufhin gaben uns ein paar Tierschützer den Rat, ihn einzuschläfern.

Da er noch nicht kastriert ist und wir ihm noch eine Chance geben wollten, ist er nun sicher in einem Einzelgehege untergebracht. Die Mitarbeiter gehen seit diesem Vorfall nur noch zu zweit ins Gehege. Wir denken, dass er eine Chance sicher verdient hat, da er kein einfaches Leben hatte bevor er zu uns kam.

 

 

Degas kam am 13.2.10 zu uns  

Einer mehr, der von der Regierung seinem Besitzer in der Innenstadt weggenommen wurde.

Man sieht an seinen weißen Stellen im Fell, dass er kein schönes Leben gehabt hat, denn dies deutet auf massive Schläge und Abschürfungen hin. Seine Beinverletzung ist inzwischen ausgeheilt.

 

Giacometti kam am 6.9.09 zu uns

Auch er wurde uns von der Regierung gebracht. Er hatte ein paar Verletzungen; oft sind die auf dem Hinterteil/Kreuz, wo draufgeschlagen wird oder über der Nasenkuppe, in die das Eisen der Halfter einschneidet. Doch alles ist bestens verheilt.

 

Reni kam am 4.10.10 zu uns  

Er wurde in Sakkala beschlagnahmt. Außer ein paar kleinen Wunden ist er gut beisammen. Aber als erstes war „fressen, was das Zeug hält“ angesagt; so viel Grün hat er schon lange nicht mehr gesehen! Nun teilt er sich ein Gehege mit Licini und das passt gut.

Reni musste zurück zu ihrem Besitzer. Es dauerte aber nicht lang, am 27.10.2010 da kam Reni wieder !

Die Regierung hat Reni nun schon zum zweiten Mal eingesammelt.

Er sieht nicht so gut aus und hat etliche Wunden. Ich hoffe, dass dieser gutmütige Esel nun endlich ein Ende seiner Arbeitstage erleben kann und bei uns seinen Lebensabend genießen darf. Er ist bei seiner alten Truppe, wo er sich auf Anhieb wieder Zuhause fühlte. Dass wir ihm Leckerli geben, hat er auch nicht vergessen und kam flink dahergelaufen.

 

Zoro kam am 26.6.10 zu uns  

Er war erst in einem Reitstall im Norden von Hurghada zu Hause, wo er 2007 auch geboren wurde. Dieser Reitstall wurde jedoch aufgelöst und so übernahm ihn ein ägyptisch-englisches Paar, das hier in Hurghada einen Reitstall für Touristen betreibt.

Als Zoro dann 3 Jahre alt war, sollte er vom Chef zugeritten werden. Dies passte Zoro gar nicht und warf ihn ab. Der Chef war beleidigt von einem Maulesel abgeworfen worden zu sein. Folge davon: der Maulesel musste weg!

So kam Zoro zu uns. Hier durfte er wohl das erste Mal frei herumtoben, nur war er leider noch nicht in der Koppel. Also mussten wir das wilde Kerlchen wieder einfangen! In seinem alten Zuhause war er den ganzen Tag immer angebunden. Nun geniesst er seine kleine Freiheit und teilt sein Gehege mit ein paar anderen Eseln, was ganz gut klappt.

Leider denken viele Touristen noch immer, man müsse in Hurghada Pferde und andere Huftiere reiten. Sehr oft werden diese Tiere jedoch schlecht behandelt und nur zum Geld verdienen eingesetzt. Würden Touristen keine Tiere mehr reiten, welche Verletzungen aufweisen oder in keine Kutsche mehr einsteigen, die klapprige Tiere eingespannt hat, gäbe es weniger Elend!  

Dix ist zu uns gekommen am 28.10.2010

Die Regierung hat ihn zu uns gebracht.

Ich hoffe, dass dieser Esel nie mehr von uns gehen muss. Er hat derart verdrehte Hufe, dass ihm das Arbeiten sicher schwer fällt. Unser Hufschmied wird sein Bestes geben, und die Zeit wird uns helfen, nach und nach den Huf zu korrigieren.

Auch mit seinem Rücken steht es nicht zum Besten.
Die Hinterhufe sind komplett verdreht... ...und der Rücken zerschunden.

 

Goya zu uns gekommen am 28.10.2010

Die Regierung brachte ihn zu uns. Gesundheitlich ist er recht gut im Schuss, aber sein Rücken ist arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Wir hoffen, dass er bei uns bleiben kann, denn er ist ein ganz zutraulicher, lieber Kerl.

 

 

 

 

 

 

Eshta kam am 28.11.2010

Die Eseldame

Eshta kommt aus Kairo, eine Dame rettete Eshta als junges Eselchen von einem Bauern, der nicht so sanft mit ihr umging. Sie brachte sie zu einem anderen Bauern, dem sie regelmäßig Geld fürs Futter gab. Bei den letzten Besuchen bemerkte sie jedoch, dass das Geld wohl nicht für die Eselin gebraucht wurde, sondern für anderes.

So brachte sie Eshta in einem auf Esel spezialisiertes Tierheim bei Kairo unter. Doch nach einer Weile kamen Beschwerden, Eshta wäre untragbar, sie würde beißen und treten und müsse da so schnell wie möglich weg.

Und so erreichte mich der Hilferuf der Dame, sie könne sie schlecht bei sich auf den Balkon stellen!

Am 28.11.2010 kam Eshta zu uns. Nach der langen Fahrt von Kairo nach Hurghada war sie sichtlich müde, aber in sehr gutem Zustand.

Wir platzierten sie mit unserem kastrierten, dienstältesten Bernini in ein Gehege und das harmoniert wunderbar. Die beiden verstanden sich auf Anhieb.

Inzwischen wurden ihr zum ersten Mal die Hufe gemacht, was sehr anstrengend war “ für  den Hufschmied“. Aber beide haben es gut überstanden. 

 

Botti ist zu uns gekommen am 28.10.2010

Die Regierung hat ihn zu uns gebracht.

Ich hoffe, dass dieser Esel uns nie mehr verlassen muss. Er hat derart verdrehte Hufe, dass ihm das Arbeiten sicher schwer fällt. Unser Hufschmied wird sein Bestes geben, und die Zeit wird uns helfen, nach und nach den Huf zu korrigieren.

Auch mit seinem Rücken steht es nicht zum Besten.

 

 

 

 

   Die Hinterhufe sind komplett verdreht              

 

 

 

 

   und der Rücken zerschunden.

Lippi  kam am 3.10.2010

Lippi wurde uns von der Regierung gebracht. Er ist ein robuster kleiner Esel, voller Temperament. Er kam in relativ gutem Zustand bei uns an.

Er hat sich gut in seine Truppe integriert und ist jeweils der erste am Zaun, wenn Grünfutter angeliefert wird.

 

 

 

 

 

 

Diese Esel mussten leider wieder zurück zum Besitzer

 

All diese Esel mussten wieder zu den Besitzern zurück. Wir versuchten sie erfolglos freizukaufen und hoffen, dass es ihnen gut geht! Wenigstens durften sie für eine kurze Zeit ihr Leben ohne schwere Arbeit und Schläge bei uns genießen!

 

Reni

Eingang 20.10.09

Reni kam mit Pozzo zu uns, der auch dem Besitzer weggenommen wurde. Reni hatte einen Eisendraht

über der Nase, der ihm tiefe Einschnitte bescherte. Seine Wunden sind gut verheilt und wir hoffen, dass dies mit dem geschenkten Halfter auch so bleibt!  

...und Reni kam wieder am 27.10.2010

Die Regierung hat Reni nun schon zum zweiten Mal eingesammelt.

Er sieht nicht so gut aus und hat etliche Wunden. Ich hoffe, dass dieser gutmütige Esel nun endlich ein Ende seiner Arbeitstage erleben kann und bei uns seinen Lebensabend genießen darf. Er ist bei seiner alten Truppe, wo er sich auf Anhieb wieder Zuhause fühlte. Dass wir ihm Leckerli geben, hat er auch nicht vergessen und kam flink dahergelaufen.

 

Tingeli

Eingang 24.10.09

Man brachte ihn uns bei Nacht, mit vielen eitrigen Verletzungen und komplett ausgehungert. Als er unseren Rasen sah, war er nicht mehr zu halten. Endlich konnte er sich den Bauch vollschlagen.  

 

Tura

Eingang Ende 2009

Er wurde von der Regierung beschlagnahmt. Der Besitzer bezahlte das Bußgeld bei der Regierung und holte Tura wieder bei uns ab. Wir versuchten ihn abzukaufen, was leider nicht geklappt hat. Wenigstens ist er nun kastriert und gechipt. Wenn er wieder einmal auftauchen sollte, wissen wir, wer er ist.

Rauch

Eingang 27.4.10

Die Regierung brachte ihn zu uns. Leider blieb er nur ein paar Wochen bei uns und er wurde, trotz unserer Bemühungen ihn abzukaufen, wieder abgeholt. Ich hoffe, dass er die harte Arbeit überlebt.

Lilo

Eingang Frühling 2010

Sie ist dem Besitzer ausgebüchst, wurde eingefangen und zu uns gebracht. Sie war unsere erste Eseldame. Sie war in einem sehr guten Zustand. Der Besitzer hat sie nach ein paar Tagen wieder bei uns abgeholt und wir hoffen, dass es ihr immer noch gut geht.

 

Cimabue kam zu uns am 25.4.10

Auch er wurde dem Besitzer weggenommen, als er sich mit ihm in der Innenstadt aufhielt. Er hatte etliche kleine Wunden, die inzwischen aber gut verheilt sind.

Cimabue fühlt sich sichtlich wohl bei uns. Leider wurde sein Kumpel Pedro Mitte September 2010 von einer Schlange gebissen. Wir fanden Pedro am morgen tot im Gehege

 

Licini kam am 3.10.10 zu uns

Die Regierung hat nach einem halbjährigen Stopp wieder angefangen, die Esel einzufangen. So kam Licini zu uns. Er ist in einem recht guten Zustand.

 

 

 

 

 

Manet kam am 2.12.2010

Manet wurde uns auch am 2.12.2010 von der Regierung gebracht.

Leider war er ein störrischer Esel der sich beim Transport ein paar Wunden zugezogen hatte. Er wurde in der Innenstadt dem Besitzer abgenommen. Er hatte tiefe Furchen von der Kette über seiner Nase.

Nachdem er sein neues Zuhause erkundet hatte, ging’s ans Fressen und Trinken.

Leider wollte ihn sein Gehegekumpel nicht und so versetzten wir Manet am nächsten Tag zu zwei kastrierten Eseln, da fühlt er sich nun äußerst wohl.

 

 

 

 

 

 

 

Cahn kam am 2.12.2010

Cahn ist von der Regierung gebracht worden.
Ich habe selten einen so kaputten Rücken gesehen, dieser Esel muss jahrelang sehr hart geschuftet haben und oft geschlagen worden sein.
Er war auch sehr schwer einzufangen. Nachdem er aber gemerkt hatte, dass wir nicht mit Gewalt etwas von ihm wollen, hat er still gehalten. Als erstes bekam er einen Mikrochip und eine Wurmkur. Danach durfte er auf unserem mittlerweile etwas spärlichen Rasen fressen.
Er bekam noch am selben Tag einen Neuzugänger zugewiesen, was jedoch nicht so ganz passte und wir mussten die beiden neuen Eselchen wieder trennen.
Nun bleibt er eine Weile allein bis er sich beruhigt und sich an uns gewöhnt hat.

 

Wir haben endlich einen lokalen Hufschmied!

Gäber ist ein Nachbar unserer Farm und hat selber Pferde. Das Handwerk des Hufschmieds hat er in Amerika und Kanada erlernt.

Lange haben wir nach einer Fachperson vor Ort gesucht, der die Hufe unserer Tiere so pflegt, wie wir das aus Europa kennen und wir sind außerordentlich froh, dieses Problem gelöst zu haben.

Er war ganz erstaunt über unser Hufpflegematerial, welches wir von der Schweizer Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz, Joachim Mueller , Markus,  gespendet bekommen haben.

Nochmals vielen Dank - nun wird es endlich richtig eingesetzt!

Sogar unser „Beisser“ konnte - dank des Maulkorbes, den uns Ulrike aus Bremerhafen mitgebracht hat - behandelt werden.

Er leistet uns gute Dienste, vielen Dank!

 

Mit dem Maulesel Zoro war viel Geduld notwendig. Doch Gäber und ich mussten nur genügend Zeit aufbringen - mit der Ruhe kommt der Erfolg! So konnten wir schon mal seine Vorderhufe behandeln, was für Zoro eine Premiere war!

Auch hier hat uns der Maulkorb gute Dienste geleistet und Zoro hat das Ganze schlussendlich wunderbar gemeistert.

 

Auch die Esel spürten die Revolution

Wir haben alle gejubelt als Präsident Mubarak endlich sein Amt niedergelegt hatte. Doch zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was das für unsere Esel und uns heißen würde. Denn die meisten Esel, die bei uns auf der Farm weilen, wurden vorher von der Regierung konfisziert: stand der Esel am falschen Ort, wurde er kurzerhand seinem Besitzer weggenommen und zu uns gebracht. Wir wiederum mussten unterschreiben und versprechen, dass die Esel bei uns auf der Farm bleiben. Kein Problem, dachte ich mir, besser die Esel verbringen bei uns einen ruhigen Lebensabend, als dass sie im Zoo in Kairo den Löwen verfüttert würden - dies wäre nämlich ihr Schicksal gewesen, hätte ich sie nicht bei uns aufgenommen!

Ferner hatte man mir auch Unterstützung versprochen, sollten Eseltreiber plötzlich auf der Farm auftauchen und ihre Esel zurückhaben wollen. Die Leute hier können sehr emotional und rabiat reagieren, was ganz schön Probleme heraufbeschwören kann!

Nun war ja nach der Revolution alles anders... Es kamen Leute zu uns auf die Farm und forderten ihre Tiere zurück. Wir schickten sie zur Regierung, damit sie eine Bewilligung besorgen konnten. Nun kamen diese mit irgendeinem Dokument wieder das besagte, dass sie ihre Esel abholen dürften. Nur stand darin weder wann der Esel bei uns abgegeben wurde noch die Mikrochipnummer des Tieres. Es hätte also jeder kommen und irgendeinen Esel abholen können, der ihm „gefiel“ - das ging ja nun gar nicht! So schickten wir sie wieder weg. Kurz darauf rief der Polizeichef meinen Mann an und bat uns in sein Büro, denn die Leute würden Radau machen! Also fuhren wir mit unserem roten Käfer hin. Als wir dort ankamen, verstopfte eine Traube von etwa  70 Personen den Eingang. Natürlich erkannten   uns die Leute. Wir verschwanden im 2. Eingang und sprachen beim Beamten vor.

Dieser meinte, so was hätte er noch nie erlebt. Die Leute wollten ihre Tiere und ihre Eselskarren zurück; es war ein richtiger Tumult. Er war natürlich für dieses Debakel auch nicht verantwortlich und der Gouverneur zog sich komplet aus der Verantwortung!!

Sollte ich nun wirklich ganz allein mit dem Mob dastehen?

So sammelten wir  die Ausweise der Personen ein und die Eckdaten der Esel, wie z.B. Abnahmedatum, Farbe, Gebrechen etc. Danach fuhren wir, mein Mann Salah und ich, wieder aufs Land um die Tiere zu identifizieren. Ich hätte losheulen können bei dem Gedanken, dass viele der Esel von ihren Besitzern nun wieder geschlagen und ohne Wasser den ganzen Tag schwere Karren durch über die Wüstenstrasse ziehen mussten. Aber es half nichts, ich musste da durch.

Nun standen also die 70 Personen wieder vor unserer Farm. Doch wie sollte das gehen - 14 Esel und angeblich 30 Besitzer? Ich hatte keine Ahnung! Also führten wir jeden Esel einzeln vor und bei jedem meldete sich ein Besitzer. Traurig zu sehen, dass sie ihre Esel anhand alter Verletzungen identifizierten.

Vor der definitiven Rückgabe der Esel forderten wir jedoch für jeden ein Standgeld. Oder boten an, ihnen die Esel abzukaufen. Wir gaben den Leuten eine Frist bis zum nächsten Tag. 

Deprimiert und erschlagen von den Ereignissen des Tages gingen wir nach Hause. Die Vorstellung, dass die Besitzer ihre Esel wieder mitnehmen würden, war schrecklich und natürlich verbrachten mein Mann und ich eine schlaflose Nacht.

Am nächsten Morgen ging’s zur Bank. Doch oh Schreck, die war aufgrund der Revolution für weitere 4 Tage geschlossen. Dies hieß also alles vorhandene Geld zusammen klauben und zur Wechselstube bringen, aber auch die war geschlossen. Ok, dann halt zu Thomas Cook. Und siehe da, Thomas Cook war offen. Doch die Freude währte nicht lange, denn deren Bargeldreserven waren bis auf 50 LE aufgebraucht! Das Herz rutschte mir in die Hose, denn wenn ich das angebotene Geld für die Esel nicht auf den Tisch legen könnte, würden die Besitzer sie doch bestimmt mitnehmen. Es gäbe aber noch eine Filiale und dort wäre noch etwas ägyptische Pfunde vorhanden. Also ab zur Filiale. Und die hatten Gott sei Dank genug, sodass ich das ich Geld für meine Esel wechseln konnte. Nun also ab in den Kampf!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und dann kamen sie… erst eine Dame. Sie ging mit dem Bargeld überglücklich davon und ich hatte einen Esel der bleiben durfte.  
Es ist Botti, der Esel mit den verkrüppelten Hufen.

Barbara, meine Nachbarin, die mich in dieser schwierigen Zeit unterstützte machte Fotos. Und ich wartete abseits und schweren Herzens, dass ich die Langohren abgeben musste.

Dann kam Barbara plötzlich angerannt und erzählte, dass drei weitere Besitzer Geld angenommen hätten! Somit durften bereits vier Esel bleiben.

 

Tura muss nie mehr eine Eisenkette über der Nase tragen   und Erni darf sich für den Rest seines Lebens ungestört im warmen Sand des Frühlings drehen. 
Barbara erzählte mir, dass ein alter Mann äußerte, sein Esel sähe jetzt so gut aus und wäre so ruhig geworden, dass er ihn doch hier lassen möchte, obwohl er ihn mehr Geld gekostet hätte. Und auch er zog glücklich mit dem Auslösegeld von dannen. Cezanne hat nun ein ruhiges Leben ohne Stress vor sich.  

Dann kam Barbara mit der frohen Nachricht wieder, dass vier weitere Besitzer ausbezahlt worden wären.  Mir fiel ein Stein vom Herzen, denn nun waren’s 8!

Reni war zum zweiten Mal bei uns und er sah schlimm aus, als er erneut zu uns kam, doch nun darf er für immer bleiben.

Vier Esel mussten leider gehen und wurden auf Pick-ups aufgeladen, es tat mir in der Seele weh. Ich hoffe sehr, dass sie in Zukunft jedoch besser behandelt werden. Von nun an werde ich wohl bei jedem grauen Esel, den ich auf der Strasse einen schweren Karren ziehen sehe, denken, dass er einer der unseren war. Obwohl ich den Besitzern androhte, ihnen eigenhändig eine Rute über deren Rücken zu ziehen, sollte ich je einen von ihnen seinen Esel schlagen sehen! Und bei Gott, in dem Moment sah ich doch tatsächlich ein wenig Ehrfurcht in den Augen der Eseltreiber.

Vor der Abfahrt der Esel kam es doch noch zu einer lautstarken Auseinandersetzung. Die Leute gingen fast aufeinander los, weil  5 LE mehr für den Transport der Esel verlangt wurde. Mir lief es kalt den Rücken runter…

Es war schon ein beeindruckendes Erlebnis von all diesen Eseltreibern lautstark umdrängt zu werden. Die Polizei hatte dann aber doch einen ihrer Leute zum Schutz bei uns abgestellt. Denn am Vormittag hatten sie bei der Herausgabe der Eselskarren keine guten Erfahrungen gemacht und es hätte ja auch bei uns zu Eskalationen kommen können.

Zwei Ausweise waren noch bei meinem Mann, doch vor der Tür standen 10 Leute, die einen Esel wollten. Die letzten zwei wurden also ausbezahlt, Gott sei Dank, und mein Mann Salah schickte die restlichen Leute weg. Nur eine Dame und drei junge Männer blieben übrig.

Die Dame hatte wohl früher einen Esel, der beschlagnahmt wurde, aber nicht bei uns landete. Die Regierung brachte viele beschlagnahmte Esel auch nach Kairo in den Zoo, wo sie den Raubtieren verfüttert wurden. Wahrscheinlich war wohl auch der Esel dieser Dame dort gelandet. Die Dame hatte ein schweren Schicksalsschlag erlitten:  sie hat 7 Kinder und einen nach einem Schlaganfall gelähmten Ehemann zu Hause. Salah und ich beschlossen, ihr unter die Arme zu greifen. Ich nahm sie zur Seite und versprach, sie zu besuchen um zu sehen, wie wir ihrer Familie helfen können. Schließlich geht es ja auch um die Menschen in diesem Land.

Nun waren da noch die drei jungen, Galabeya tragenden Männer, die behaupteten, ihr Esel wäre bei uns. Also machte ich mit jedem einzelnen einen Rundgang. Doch keiner fand seinen Esel und so nahm die Sache ein gutes Ende.

Nun das Fazit: vier Esel mussten gehen, doch 10 durften wir abkaufen und diese können nun ihren Lebensabend bei uns verbringen. Ich war sehr zufrieden.

Es ist nicht richtig, dass die Regierung den Eseltreibern die Esel und somit das Arbeitsgerät wegnimmt. Aus diesem Grund haben wir uns bereiterklärt, ihnen die Esel abzukaufen. So bekommen diese Leute, die sicherlich nicht viel Geld besitzen, wenigstens etwas.

Als ich am Ende dieses aufregenden Tages den Abendrundgang  über unsere Farm machte, war ich glücklich, wenigstens ein paar Esel von einem harten Arbeitsleben gerettet zu haben. Es wird bestimmt nicht leicht, alle gesund durchzubringen, jetzt, wo das ganze Land im Umbruch ist und viele nicht die Geduld aufbringen, es langsam anzugehen. Als ich also bei diesem Rundgang vor Lippi’s Gehege stand, er war der letzte Ausbezahlte, bildete ich mir ein, ein Dankeschön in seinem treuen Blick zu lesen.

Ein Danke auch den vielen treuen Tierschützern, die an uns, meinen Mann und mich, glauben und unser Projekt unterstützen, denn ohne Eure Hilfe geht’s nicht. Vielen Dank.

Wir gehen nun nach ein paar sehr aufregenden, turbulenten und mit Emotionen geladenen Tagen nach Hause. Aber mit einem wehmütigen Gedanken an die vier Langohren, die uns verlassen mussten und ihren wohlverdienten Lebensabend nun doch nicht bei uns verbringen dürfen. Ich hoffe die Kraft, die sie bei uns getankt haben, hilft ihnen, das Kommende zu ertragen.Obwohl jemand  im nach hinein unseren Ziegenbock über Nacht gestohlen  und die Dreckwasserleitung durchlöchert hat. Und mir gedroht hat mich zu erschiessen! Geben wir nicht auf.

Anhand des Geschehens werden wir versuchen so schnell wie möglich die Mauer um unser Gelände fertigzustellen, wer weiss was da noch kommen mag,  wir kratzen all unsere Reserven zusammen um  dies zu verwirklichen. Hierbei kann ich jede Hilfe brauchen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. In Ägypten haben wir alle große Hoffnungen, auch wenn’s in allen Bereichen noch viel Zeit und Geduld braucht!

Moni und Salah

 

Lucca, der Geschlagene

Seit Jahren schon kam ein Mann mit Eselkarren täglich an unserem Haus vorbei. Er sammelte wieder verkaufbaren Abfall ein - Recycling auf ägyptische Art - und verdiente sich so seinen Lebensunterhalt.

Inzwischen kennen mich ja fast alle Eseltreiber in Hurghada, so auch er. Somit wartete er vor unserem Haus auf mich und meinte, sein Esel wäre verletzt, ob wir ihn uns mal anschauen könnten. Der Esel hatte tatsächlich eine böse Verletzung am Hinterteil und ganz verkrüppelte Hufe.

 

Ich versuchte dem Mann zu erklären, dass wenn er mit diesem Tier weiterarbeitete, hätte er bald keinen Esel mehr, denn dieser würde das nicht mehr lange mitmachen. Doch der erwiderte, er hätte nur diesen Esel und ohne ihn hätte er kein Einkommen. So schlug ich ihm vor, ein Fahrrad mit Transportbox zu kaufen, so könne er weiter sein Geld verdienen und der Drahtesel würde erst noch keinen Unterhalt kosten. Wie viel er denn für den Esel bezahlt hätte, fragte ich ihn. EGP 450, meinte er, er hätte den Esel nachts gekauft und nicht gesehen, dass er so geschunden wäre (Später erfuhren wir allerdings, dass er nur EGP 250 bezahlt hatte!). Ich sagte ihm, er solle am nächsten Morgen noch mal zu uns kommen und mit meinem Mann sprechen. Er war dann auch pünktlich da und Salah kaufte ihm den Esel kurzerhand ab, mit der Bitte, er solle den Esel aufs Land bringen.
Und tatsächlich, am Nachmittag traf Lucca bei uns auf der Farm ein. Er kam ins Gras bewachsene Rondell, wo er sich erst mal satt fressen und sich ausruhen konnte.
 

Später behandelten wir dann auch noch seine Wunden. Beim Gedanken, dass Lucca mit diesen Wunden und verkrüppelten Hufen noch bis vor kurzem gearbeitet hatte, lief es uns kalt den Rücken runter.

Er hat sich in den ersten vier Tagen auf dem Land sehr gut erholt und die Wunden heilen ab. Er ist ein gemütliches und geduldiges Langohr, der die ganzen Behandlungen und Spritzen ohne Probleme über sich ergehen ließ. Wir hoffen, dass er überlebt und hier bei uns seinen verdienten Lebensabend in Ruhe genießen kann.

Endlich von der qualvollen Arbeit befreit

Einen Tag nicht auf der Farm und schon steht der nächste Esel da. Mein Mann hat ihn angenommen. Er wurde von einer Frau aufs Land gebracht, die sagte, sie hätte den Esel vermietet und er wäre in diesem Zustand zurückgekommen. Sie sei eine ganz arme Frau und ihr Mann habe keine Arbeit. Leider eine schamlose Lüge, denn ihr Mann war kurz vorher bei uns und hatte einen anderen Esel gebracht!

Schmerzlich müssen wir feststellen, dass unsere Gutmütigkeit und Grosszügigkeit auf dem Rücken der Tiere ausgenutzt wird.

Als ich den Esel sah, überkam mich eine derartige Wut und Hilflosigkeit, die ich kaum beschreiben kann! Wie kann ein Mensch nur so eine arme Kreatur vor den Karren spannen und mit ihr arbeiten gehen - ich werd es im Leben nicht verstehen, wie Menschen einem so geduldigen Lebewesen so etwas antun können!

 

Es wird lange dauern bis diese Wunden wieder heilen, aber so Gott will muss Bartolini für den Rest seines Lebens nicht mehr arbeiten müssen.

 

Das Eselbaby und sein Kumpel

Mustafa kam angerannt und sagte, es wären ein paar Leute an der Pforte, die mich sprechen wollten. Als ich mich dem Tor näherte, sah ich durch die Büsche ein paar Eselbeine. Und ich sollte Recht behalten, nur, es waren nicht 4 sondern 8 Beine:

Ein Eselbaby, noch nicht einmal ein Jahr alt - wir nennen es Paolini - und seinen Kumpel, er bekam den Namen Boetti, dünn mit ganz komischen Hufen.

Die Männer in Galabeya erzählten mir, dass sie nach Quena zurück gehen würden und mir die Esel verkaufen wollten. Denn sie wüssten, dass die beiden es bei mir gut haben würden.

Den kleinen Paolini hatte er ganz speziell mit einem Linienmuster geschoren und mein Mann fragte ihn, ob er es selbst gemacht hätte. Dieser bejahte und meinte, er wolle uns doch einen schönen Esel bringen. Er hätte sich echt bemüht.

Die Verhandlungen mit meinem Mann verliefen kurz, da anscheinend in der Stadt bekannt ist, wie viel wir für einen Esel bezahlen. Und so kamen die beiden in unseren Besitz.

Die Eseltreiber bringen ihre Esel zu uns, obwohl sie nicht verstehen, was diese Ausländerin mit all den Eseln macht. Aber sie ist ja eine Ausländerin, die sind halt eben so...

Der Zufall wollte es, dass unser Dr. Girgis gerade auf dem Land war. Er untersuchte die Tiere sogleich: Das Kleine wäre in gutem Zustand, aber Boetti schon schwach und die Hufe nicht in Ordnung.

Nun werden sie erst mal zur Ruhe kommen. Bald kommt der Hufschmied und nach und nach hoffen wir, die Hufe auch wieder in Ordnung zu bringen.

Leider hat es Boetti nicht geschafft: er ist am 30.4.2011 gestorben. Nun muss er nicht mehr leiden und kann ohne Schmerzen und Schläge über die grünen Himmelswiesen galoppieren.