Geschichten  Menschen

Eine glücklichere Familie Hamdy Hämäda
Time-out und Hilfe für uns Unser neuer Tierarzt
Oft werden wir gefragt, wieso wir Tieren helfen würden, wo doch das Elend vieler Menschen in Ägypten so groß wäre.

Doch seit Jahren helfen mein Mann und ich auch Menschen hier in Ägypten.

Wir helfen z.B. bei der Finanzierung von Operationen und Medikamenten. Oder sammeln und verteilen Kleider, Spielzeug, Decken und vieles mehr.

Wir haben dies nie an die große Glocke gehängt, doch oft werde ich geradezu attackiert, weil wir den Tieren helfen. Somit haben wir uns entschieden, einige unserer Geschichten über die Menschen  in unserem Umfeld zu dokumentiern.  Wir möchten auf keinen Fall die Personen und ihr Elend zur Schau stellen.

Es gibt viele Spender, die uns unterstützen und wir sind dankbar um deren Spenden, die wir weitergeben dürfen.

Oftmals sind die mitgebrachten Kleidungstücke für eine ägyptische Familie ungeeignet. Und sie verkaufen diese weiter. Dies finde ich aber richtig, denn wenn mit einem verkauften Jackett  oder Minirock ein paar Kilo Reis gekauft werden kann, erfüllt dies doch auch seinen Zweck.

Wir danken all denen, die nebst den Tieren auch die Menschen nicht vergessen und uns unterstützen. Denn es braucht so wenig, um ein Lächeln in ein Kindergesicht zu zaubern.

 

 

 

 

Eine glücklichere Familie
Wie ich bereits im Bericht „Auch die Esel spürten die Revolution“ erwähnt habe, kam eine Frau zu uns, deren Esel auch von der Regierung abgenommen wurde. Der Esel ist aber nicht bei uns gelandet.

Die Familie hat einen schweren Schicksalsschlag erlebt, denn der Ehemann ist seit einem Schlaganfall gelähmt. Die Frau mit 5 Kindern hat nun ein schweres Los. Zwei ihrer Söhne sind mit 16 und 17 Jahren schon aus dem Schulalter raus. Die beiden haben früher mit dem Esel Schrott und Plastik eingesammelt. Doch nun ist der Esel weg und der Familie fehlt somit die Grundlage, um weiter Geld zum Lebensunterhalt zu verdienen.

 

Als Ersatz für den Esel haben wir ihnen nun ein Dreirad mit einer Box gekauft damit sie mit eigener Strampelkraft wieder Geld verdienen können.

Dies hat zwei gute Seiten: die Familie kann wieder arbeiten und es wird kein Esel mehr geschlagen. Zudem braucht der Drahtesel kein Futter, er wird nicht müde und wenn man ihn tritt, geht auch der vorwärts. Und da ist es wirklich so: je mehr er getreten wird, desto schneller läuft er…

 

Natürlich haben wir ihnen auch einen Sack Reis, Kleider und anderes mitgegeben. Die Frau war überglücklich und ist frohen Mutes nach Hause gefahren worden.

 

 

 

Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist, dass wir ihr nun auch noch einen Rollstuhl für ihren Mann besorgen konnten. Damit muss er nicht mehr nur auf der Matratze liegen, sondern kann wieder am Familienleben teilnehmen und auch mal an die frische Luft und die warme Sonne Ägyptens geniessen.

 

 

Oftmals braucht es nicht viel um zu helfen.

 Wenn man nur will, geht vieles.

 

 

Hamdy
Eines Tages kam Shazli – ein ehemaliger Arbeiter – mit Hamdy zu uns.

Hamdy stammt aus Quena, sein Vater ist verstorben. Er lebt mit seiner Mutter und einer Schwester zusammen, die auch behindert ist.

Vom Staat bekommen sie LE 80, ca. € 10, pro Monat zum Leben. Das Land, das sie einst besaßen und für ihr Überleben garantierte, wurde ihnen abgeschwindelt. Da keiner in der Familie eine Schulbildung hat, hatten die Schwindler leichtes Spiel mit ihnen.Eines Tages fragte Hamdy also Shazli, ob er keine Arbeit für ihn wüsste. Dieser meinte, die Einzigen, die ihm Arbeit geben würden, wären Moni und Salah. Und so brachte Shazli Hamdy zu uns,nach Hurghada.

Wir staunten nicht schlecht als Hamdy bei uns ankam. .Er konnte sich kaum auf den Beinen halten und bei jedem Schritt dachten wir, er fiele um. Und einem starken Windstoss hätte er auch nicht standgehalten. Was für eine Arbeit gibt man einem solchen Menschen? Tee kochen und servieren ging nicht, da er so wackelte - das wäre katastrophal gewesen.  Hamdi ist eigentlich ein liebens würdiger aufgeweckter junger Mann, wir wollten ihm eine Chanse geben.

Also gingen wir als erstes ins El Salam Krankenhaus und ließen ihn gründlich untersuchen: Scannen, Blutabnahme, Urinprobe etc. Ich hatte das Gefühl, dass er alles stolz über sich ergehen ließ. Doch leider war außer ein paar Aufbautabletten nichts für ihn zu machen, dies wäre genetisch bedingt und irreparabel.

Also kauften wir die Tabletten, die er auch immer nahm, er bekam richtig zu essen und bald ging es ihm schon viel besser.  Seine Arbeit bestand darin, die fliegenden Plastiktüten auf dem Land einzusammeln.  Da alle Leute ihren Müll in die Wüste werfen, fliegen  bei  starkem Wind  die Plastiktüten von Norden nach Süden. Also trottete Hamdy den ganzen Tag auf dem Gelände herum und sammelte die Tüten ein. Und ab und zu legte er sich zur Erholung unter einen Baum, um ein Nickerchen zu machen.

Doch es war schwierig ihn im Auge zu behalten, da er leicht umfallen konnte.  Unsere anderen Arbeiter und wir hatten leider nicht die Zeit, darauf zu achten, dass ihm nichts passierte. Denn mit der Zeit wollte er natürlich immer  mehr machen, auch Tee kochen. Dabei hätte er uns einmal fast den Gasherd in die Luft gejagt!

Somit entschieden mein Mann und ich, dass wir Hamdy wieder nach Hause schicken. Wir statteten ihn mit einem Handy, Kleider, Decken etc. für sich und seine Familie aus und versprachen ihm, jeden Monat etwas Geld zu schicken. Somit war allen gedient.

Doch eines Tages stand er wieder vor unserer Tür, wollte arbeiten und bei uns bleiben. Also kam er für ein paar Tage wieder aufs Land, sammelte wieder Mülltüten ein und ging wieder glücklich zu seiner Familie zurück. Und da er ja nun Geld verdiente, verheiratete ihn die Familie kurzerhand - wir staunten nicht schlecht.

Nun kommt er ab und zu wieder zurück, auch weil er einen Tapetenwechsel von seinem Dreifrauenhaushalt braucht. Ja, dann trottet er wieder ein paar Tage glücklich übers Gelände, immer seinen Sammelsack hinter sich herziehend. Und fährt dann mit seinem Obolus zufrieden wieder zu seinen Damen.

 

 

 

 

 

 

 

Hamädä
Steine für Steine 

Hamäda 29 Jahre alt, ist einer unserer Mitarbeiter im Tierheim. Er kam vor ca 2 Jahren aus Assuan zu uns. Sein Onkel  Herr Gäber arbeitet schon eine lange Zeit bei uns . Als wir im Jahr 2007 das Grundstück mitten in der Wüste erhielten kamen auch mehr Tiere- Für unseren treuen Gäber war das nun doch zu viel Arbeit. Somit brachte er aus seiner Verwandtschaft Hamädä mit.  Er sollte für die Pflanzen  im Tierheim zuständig sein.

Als er zu uns kam hatte ich kein gutes Gefühl. Er hatte eine Heidenangst vor Hunden. Aber er war meinem Mann und mir vom Wesen her sympathisch und da er für die Pflanzen zuständig war, wird’s einen Weg geben dachten wir uns. Er brauchte Arbeit um seine Familie zu unterstützen, er hat noch 4 unverheiratete Schwestern für die er verantwortlich ist.

 

Hamädä entpuppte sich als williger Arbeiter der auch bereit war, seine Angst vor Hunden zu überwinden, was sicher nicht einfach war. Aber da wir immer ein paar Welpen auf dem Gelände frei herumlaufen haben, konnte er so langsam auf Tuchfühlung gehen  mit diesen ach so schlimmen Geschöpfen.
Und wie es so ist im Leben musste er mir bei einer schwierigen Situation sofort Hilfeleistung geben und mit die Hunde anpacken, was er auch mutig tat.

Die Tage und Monate gingen dahin und ohne es zu merken, hatte er die Angst vor den Hunden verloren. Er half mit beim Füttern und Auskehren der Gehege und siehe da - wenn einer ausbüchste hob er ihn hoch und brachte den Ausreißer auf seinen Armen wieder zurück. Da wurde mir bewusst, wie viel Mut und Courage er aufgebracht hatte um seinen Job zu bewältigen. Ich war richtig stolz auf ihn.

Aber wir haben noch einen Härtefall - unseren Rüden Bobby! Er spielt ägyptische Männer, die Angst haben aus. Er spürte die Angst von Hamädä und machte sich ein Spiel daraus, ihn anzuknurren und in die Hose zu zwicken. Folge? "Da gehe ich nicht mehr rein!"

Also gab’s für Bobby von Hamädä immer ein Leckeli wenn er am Gehege vorbei ging und eines Tages hatten wir einen Engpass und Hamädä war allein zum Füttern und auch im Gehege von Bobby musste gefüttert werden.

Von da an war das Eis gebrochen. Er fütterte auch Bobby. Ein Herz und eine Seele werden sie nicht, aber es hat geklappt mit den Beiden.

Dann kam ein Schicksalsschlag für Hamäda - sein Vater verstarb vor über einem Jahr. Er musste nun ganz alleine für seine Mutter und die Schwestern sorgen. Dieses Jahr im September sein nächster Schlag, er wurde krank und hatte starke Schmerzen. Wir gingen zum Arzt. Die niederschmetternde Diagnose: "eine Niere ist kapput, sie muss entfernt werden!"

Er und seine Familie können diese OP nicht bezahlen, wir möchten und helfen aber sind finanziell auch nicht so fit.

Also meinte mein Mann wir machen eine Granitschale und  die verkaufen wir zugunsten Hamädäs im Internet. Birgitta und ihre Helferinnen waren sofort mit dabei und  es wurde eine Tombola erstellt und im Internet Lose verkauft. Es war ein voller Erfolg. Tierschützer in ganz Europa haben mitgeholfen um Hamädäs Krankenhauskosten finanzieren zu können.

Nun ist Hamädä in Behandlung und wir hoffen das Beste für ihn. Er wird weiterhin bei uns arbeiten und ist überglücklich und dankbar das Leute, die ihn zum Grossteil gar nicht kennen, so geholfen haben.

Wir sind ein Tierheim, das sich um Notfälle in der Tierwelt kümmert, aber unser Tierheim kann nur funktionieren, wenn wir gute und treue Mitarbeiter haben - ohne die geht’s nicht.

Hamädä ist so ein Mitarbeiter, er ist uns ans Herz gewachsen und wir hoffen, er bleibt noch lange bei uns.

Den Menschen und Tiere gehören zusammen seit je her.

Mein Mann und ich sind dankbar, dass wir durch die Unterstützung vieler Menschen nicht nur Tieren helfen können und sagen tausend Dank für all die, die ein Herz haben zu helfen.

Nur wer die Bevölkerung in diesem Land versteht und auch hier hilft, kann Verständnis und ein Umdenken für die Tiere erwarten.

  Moni und Salah

 

Time-out und Hilfe für uns

Im Frühjahr 2011 wurde ich angefragt, ob ich Interesse hätte, für einen gewissen Zeitraum einmal wöchentlich tierärztliche Unterstützung zu bekommen. Ein solches Angebot konnte ich auf keinen Fall ausschlagen! Und so kam Dr. Claudia einmal die Woche zum Operieren zu uns.

Dies passte wunderbar. Auch unser neuer Tierarzt, Dr. Girgis, war  begeistert, mit einer europäischen Kollegin zusammen zu arbeiten. Somit wurden die Operationstage vollgepackt mit Kastrationen. Dr. Claudia und Dr. Girgis haben super miteinander gearbeitet, es gab regen Wissensaustausch und gemeinsam wurden auch sehr heikle Situationen gemeistert. Den beiden zuzuschauen machte richtig Spaß. Es ging Hand in Hand, es wurde analysiert, operiert und auch viel diskutiert.

Dr. Claudia hat sich dann auch noch in einen unserer Patienten verliebt, ein kleines Kätzchen mit kaputtem Beinchen. Spontan versprach sie, es sobald die ganzen Reisepapiere fertig sind und die Wartezeit abgelaufen ist, nach Deutschland zu holen und dem Samtpfötchen ein neues Zuhause zu suchen.

Ich wünschte es gäbe mehr solcher Tierärzte, die uns ab und zu unter die Arme greifen. Auf alle Fälle waren wir von Dr. Claudia begeistert und ich denke, sie auch von uns.

 

Vielen Dank für deine Hilfe, Claudia, du bist jederzeit herzlich Willkommen!

Moni

 

Unser neuer Tierarzt

Ich möchte euch unseren neuen Tierarzt, Dr. Girgis, vorstellen. Dr. Girgis ist ein junger, talentierter Arzt, der mich mit seinem einfühlsamen Umgang mit den Tieren überzeugt hat.

Da er in der ägyptischen Armee für die Huftiere zuständig war, ist er für uns auf der Farm eine große Hilfe mit den Eseln. Er bekam endlich diese Bakteriengeschichte, die unseren Eseln arg zugesetzt hat, in den Griff und nun geht es wieder bergauf.

 

In den wenigen Monaten, in denen er bei uns ist, haben wir mit seiner Hilfe schon etliche Strassenkatzen und -hunde kastrieren können. Dank seiner umsichtigen und zügigen Art sind wir nun auch wieder in der Lage, die Streuner einen nach dem anderen zu kastrieren.

 

Seine kompetente Beratung und sein gutes Händchen für Tiere kommen bei unseren Kunden sehr gut an.

Als Ägypter spricht er natürlich Arabisch aber auch ein sehr gutes Englisch, und für die Übersetzung ins Deutsche haben wir ja unsere Volontärin Barbara, die ihm bei seiner Arbeit assistiert. Ich komm dann nur noch bei Französisch und Italienisch dazu - das heißt endlich einen Job weniger für mich.

 

Dr.  Girgis ist zurzeit immer dienstags und sonntags von 17.00 - 19.00 Uhr in der Klinik in Mubarak 1. Operationen nur auf Voranmeldung jeweils dienstags und sonntags.

Notfälle nach telefonischer Absprache.

Tel. Dr. Girgis 016 469 31 69